holzwurm
Ich habe meiner Süßen vor geraumer Zeit einen Ketten-Bikini gestrickt. Leider kannte ich da noch nicht den Anbieter hier.
Da habe ich mich also daran gemacht, leider nur aus verzinktem 1,8mm Draht (10m Rollen von OBI), die Ringe in 12mm Innendurchmesser selber zu drehen. Wer eine Menge ab 100.000 Ringen abnimmt, kann bei diversen Federring-Herstellern alle Maße und Materialien anfragen und, auf's Stück dann gerechnet, zu recht günstigen Preisen anfertigen lassen. Im Netz findet man noch unter LARP und Mittelalter einige Anbieter für 8mm und 10mm Ringe aus Federstahl, oder auch zu vernietende Ringe aus Kohlenstoffstahl. Da ist die Auswahl recht stark auf Rüstzeug eingeschränkt. Man kann sich dort auch ein einfaches Hemd für um die 150,-€ kaufen und „umschneidern“. Davon rate ich aber einem ungeübten Stricker ab. Das ist schon recht schwierig, dieses feine Ringgeflecht dann wieder zusammen zu fügen.
Ich finde halt, dass dieses grobe Geflecht recht gut zu der kräftigen Statur meines Schatzes passt.
Das Herstellen ist recht einfach. Mit einem 12mm Stahlrohr und einer kräftigen Bohrmaschine mit 13mm Futter. Das Rohr mit einem circa 2 mm Loch versehen. Darein steckte ich das eine Ende des Drahtes. Danach das Rohr einspannen und mit Handschuhen den Draht bei langsam laufender Bohrmaschine spiralförmig um das Rohr wickeln. Dabei bitte Schutzbrille tragen, falls der Draht mal auskommt. Ebenso auch sehr achtsam mit den Fingen sein und nicht zwischen Draht und rotierendes Rohr kommen. Wohl dem, der eine Drehbank sein eigen nennt, da können die Spiralen bis zu einem Meter über das an zwei Punkten gespannte Rohr gedreht werden.
Zum Auftrennen habe ich die so gewonnene Spirale etwas auseinander gezogen, so bekommt man gleich offene Ringe und spart sich einmal aufbiegen. Das ist der Vorteil am Selber-Drehen. Einziger Nachteil ist hierbei, dass sich die Ringe gerne zu einem Klumpen verheddern, aus dem man die Ringe dann wieder rausdrösel muss.
Zum Auftrennen rate ich persönlich zu eine Blechschere. Kneifzangen und Seitenschneider quetschen das Material zu V-förmig ab. Die Fuge im später geschlossenen Ring wird dabei unschön und kann beim Tragen durch den kleinen Wulst an der Scherstelle kratzen.
Wie man aus den so gewonnenen Ringen ein Geflecht macht, kann man diesem Link aus der hiesigen Datenbank entnehmen. Eine bessere Anleitung habe ich auch unter Mittelalterleuten noch nicht gefunden. Auch wenn sie in englischer Sprache verfasst ist, die Bilder sprechen für sich. Das Stricken selber kann, nachdem man einmal durchschaut hat, wie es funktioniert, recht entspannend sein.
Das Top kann man als ganz geschlossenes Teil stricken und über den Kopf an- und ausziehen. Das Höschen habe ich über dem linken Bein mit vier kräftigeren S-Haken, die in das Ringgeflecht einhaken können, verschlossen.
Für diesen Bikini brauchte ich circa 100m Draht und so gut und gerne 12 Stunden Zeit zum Stricken.
Aufgebaut ist das Schnittmuster eigentlich nur aus geraden schmalen Streifen und Dreiecken in verschiedenen Größen. Diese Dreiecke ergeben sich, wenn man im Gestrick in jeder neuen Reihe einen Ring weglässt. Bei der praktischen Ausführung wird es deutlicher zu sehen sein, als es hier theoretisch erklärt klingt.
Auf der Unterseite der Körbchen habe ich einfach einige Ringe aus den untersten Reihen weggelassen. Dann fällt der BH formschöner.
Als Werkzeug kann ich zwei gleich gebaute Kombizangen aus der Baumarkt-Grabbelkiste empfehlen, die aber gut in der Hand liegen sollten. Erst wenn man wirklich die 25.000 Federstahlringe für ein langes normannisches Kettenhemd verarbeiten möchte, dann lohnen sich ergonomischere Zangen, mit besser gehärteten Backen.
Gruß, holzwurm
Zum Eintrag in der Datenbank
Da habe ich mich also daran gemacht, leider nur aus verzinktem 1,8mm Draht (10m Rollen von OBI), die Ringe in 12mm Innendurchmesser selber zu drehen. Wer eine Menge ab 100.000 Ringen abnimmt, kann bei diversen Federring-Herstellern alle Maße und Materialien anfragen und, auf's Stück dann gerechnet, zu recht günstigen Preisen anfertigen lassen. Im Netz findet man noch unter LARP und Mittelalter einige Anbieter für 8mm und 10mm Ringe aus Federstahl, oder auch zu vernietende Ringe aus Kohlenstoffstahl. Da ist die Auswahl recht stark auf Rüstzeug eingeschränkt. Man kann sich dort auch ein einfaches Hemd für um die 150,-€ kaufen und „umschneidern“. Davon rate ich aber einem ungeübten Stricker ab. Das ist schon recht schwierig, dieses feine Ringgeflecht dann wieder zusammen zu fügen.
Ich finde halt, dass dieses grobe Geflecht recht gut zu der kräftigen Statur meines Schatzes passt.
Das Herstellen ist recht einfach. Mit einem 12mm Stahlrohr und einer kräftigen Bohrmaschine mit 13mm Futter. Das Rohr mit einem circa 2 mm Loch versehen. Darein steckte ich das eine Ende des Drahtes. Danach das Rohr einspannen und mit Handschuhen den Draht bei langsam laufender Bohrmaschine spiralförmig um das Rohr wickeln. Dabei bitte Schutzbrille tragen, falls der Draht mal auskommt. Ebenso auch sehr achtsam mit den Fingen sein und nicht zwischen Draht und rotierendes Rohr kommen. Wohl dem, der eine Drehbank sein eigen nennt, da können die Spiralen bis zu einem Meter über das an zwei Punkten gespannte Rohr gedreht werden.
Zum Auftrennen habe ich die so gewonnene Spirale etwas auseinander gezogen, so bekommt man gleich offene Ringe und spart sich einmal aufbiegen. Das ist der Vorteil am Selber-Drehen. Einziger Nachteil ist hierbei, dass sich die Ringe gerne zu einem Klumpen verheddern, aus dem man die Ringe dann wieder rausdrösel muss.
Zum Auftrennen rate ich persönlich zu eine Blechschere. Kneifzangen und Seitenschneider quetschen das Material zu V-förmig ab. Die Fuge im später geschlossenen Ring wird dabei unschön und kann beim Tragen durch den kleinen Wulst an der Scherstelle kratzen.
Wie man aus den so gewonnenen Ringen ein Geflecht macht, kann man diesem Link aus der hiesigen Datenbank entnehmen. Eine bessere Anleitung habe ich auch unter Mittelalterleuten noch nicht gefunden. Auch wenn sie in englischer Sprache verfasst ist, die Bilder sprechen für sich. Das Stricken selber kann, nachdem man einmal durchschaut hat, wie es funktioniert, recht entspannend sein.
Das Top kann man als ganz geschlossenes Teil stricken und über den Kopf an- und ausziehen. Das Höschen habe ich über dem linken Bein mit vier kräftigeren S-Haken, die in das Ringgeflecht einhaken können, verschlossen.
Für diesen Bikini brauchte ich circa 100m Draht und so gut und gerne 12 Stunden Zeit zum Stricken.
Aufgebaut ist das Schnittmuster eigentlich nur aus geraden schmalen Streifen und Dreiecken in verschiedenen Größen. Diese Dreiecke ergeben sich, wenn man im Gestrick in jeder neuen Reihe einen Ring weglässt. Bei der praktischen Ausführung wird es deutlicher zu sehen sein, als es hier theoretisch erklärt klingt.
Auf der Unterseite der Körbchen habe ich einfach einige Ringe aus den untersten Reihen weggelassen. Dann fällt der BH formschöner.
Als Werkzeug kann ich zwei gleich gebaute Kombizangen aus der Baumarkt-Grabbelkiste empfehlen, die aber gut in der Hand liegen sollten. Erst wenn man wirklich die 25.000 Federstahlringe für ein langes normannisches Kettenhemd verarbeiten möchte, dann lohnen sich ergonomischere Zangen, mit besser gehärteten Backen.
Gruß, holzwurm
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