Kunststofffolien schweißen?

Versuchstier
Wie werden eigentlich in der Industrie Kunststofffolien verschweißt, insbesondere PVC-Folien aus denen z.B. aufblasbare Poolspielzeuge hergestellt werden?

Kleben kann ziemlich schnell recht nervtötend und beim Betrachten des Ergebnisses frustrierend werden, da wäre es schon verlockend wenn ich zumindest lange gerade Kanten irgendwo einfach "entlangfahren" oder "hindurchziehen" könnte.

Ein Lötkolben ist jedenfalls viel zu heiß dafür und verbrennt das Material einfach nur.
mr-hyde
Hast Du mal McFloppys Vorschlag in deinem Thread gelesen?
Ich habe es damal gleich ausprobiert, und nach einigem Versuchen mit verschiedenen Lötkolben und verschiedenem Backpapier, ging das dann auch.

Ob diese Verbindungen aber für Deine Schlafsackidee taugen weiss ich nicht.

Ultraschallschweisung kommt für den Heimanwender kaum in betracht, aber eventuell kann man ein Folienschweisgerät aus dem Haushaltsbereich so umbauen das es taugt.
Das wäre gerade so das was ich versuchen würde.
Versuchstier
> Hast Du mal McFloppys Vorschlag in deinem Thread gelesen?

Ja, schon öfter ausprobiert aber nicht darüber geschrieben weil bei mir nichts daraus wurde...

PE-Folie läßt sich so gut schweißen da der Kunststoff an den Kanten wie Wachs schmilzt (ist ja chemisch beinahe das gleiche). Die Naht wird sauber und glatt, Folienschweißgeräte zum Einfrieren von Lebensmitteln nutzen genau das aus. Leider habe ich keine geeigneten Bezugsquellen für dicke weiche PE-Folie.

PVC schmilzt nicht richtig sondern wird nur weich und zersetzt sich dann wobei es nebenbei auch noch HCl und andere Gase freisetzt. Mit einem Folienschweißgerät wie oben will ich das erst gar nicht versuchen, ich erwarte unschöne Folgen da sich dessen Draht bis ungefähr zur Rotglut erhitzen kann.

Wenn, dann müßte es für eine perfekte Schweißung meiner Vermutung nach irgendwas wie eine Zange oder ein Rollenpaar sein das gerade richtig erhitzt wird um das Material weich und klebrig zu machen und dann durch Druck zu verschweißen. Leider ist das außerhalb meiner technischen Möglichkeiten, ich kann zwar einiges mit Elektronik machen aber nicht unbedingt mit mechanischen Teilen.

> Ich habe es damal gleich ausprobiert, und nach einigem Versuchen mit verschiedenen Lötkolben und verschiedenem Backpapier, ging das dann auch.

Kannst du mir bitte ungefähre Angaben machen, welche Lötkolbengröße, welches Backpapier, wie lange und wie stark zusammengedrückt?

> Ob diese Verbindungen aber für Deine Schlafsackidee taugen weiss ich nicht.

Kann nicht wesentlich schlechter als meine Klebenähte der letzten Wochen werden, die Folie krümmt und verformt sich durch das Lösungsmittel erheblich und ich bekomme die Ränder einfach nicht glatt aufeinander.

Ich will in diesem Jahr erstmal den Luftmatratzenteil vollenden und probeliegen und zu testen ob die Teile den Druck verkraften, dann kann ich mich immer noch entscheiden ob ich so weiterbaue oder alles nochmal komplett neu beginne oder aufgebe.

> Ultraschallschweisung kommt für den Heimanwender kaum in betracht, aber eventuell kann man ein Folienschweisgerät aus dem Haushaltsbereich so umbauen das es taugt.

Ein Ultraschallgerät ist außerhalb meiner Reichweite und ein Haushalts-Folienschweißgerät müßte vermutlich zu weitgehend umgebaut werden.
HH
Und ein Industrie-Folienschweissgerät wird zu teuer sein.
mr-hyde
Zitat:
Original von Versuchstier
PE-Folie läßt sich so gut schweißen da der Kunststoff an den Kanten wie Wachs schmilzt (ist ja chemisch beinahe das gleiche). Die Naht wird sauber und glatt, Folienschweißgeräte zum Einfrieren von Lebensmitteln nutzen genau das aus. Leider habe ich keine geeigneten Bezugsquellen für dicke weiche PE-Folie.

Ich habe meine transparente Folie, vom "Wühltisch" ich denke sie war Für Tischdecken oder Abdeckungen gedacht. In einigen Läden stehen die als Rollenware in verschiedenen Dicken rum. Meine ist mit 0.50 recht dick.
Zitat:
Original von Versuchstier
PVC schmilzt nicht richtig sondern wird nur weich und zersetzt sich dann wobei es nebenbei auch noch HCl und andere Gase freisetzt. Mit einem Folienschweißgerät wie oben will ich das erst gar nicht versuchen, ich erwarte unschöne Folgen da sich dessen Draht bis ungefähr zur Rotglut erhitzen kann.

Polyvinylchlorid ist ebenfalls ein thermoplastischer Kunststoff. Also schmilzt es auch, wenn man die Themperatur im richtigen Rahmen hält. Verbrennen kann man alles.
Zitat:
Original von Versuchstier
Kannst du mir bitte ungefähre Angaben machen, welche Lötkolbengröße, welches Backpapier, wie lange und wie stark zusammengedrückt?

Ich habe am Ende meinen stärksten Lötkolben (300 Watt) genommen, und die Kuperspitze mit einen Radius von 5 mm verundet, damit sie übers Backpapier gleiten kann ohne sich zu verharken.
Meine besten Versuche waren mit Backpapier doppelt und eher zügigem , dafür mehrmaligem drüberziehen an einer Führungsschiene.
Wo ich gerade noch mal so drüber nachdenke, könnte es auch sinnvoll seine mit einer Phasenanschnittssteuerung (Dimmer) die Leistung ein wenig zu reduzierieren, damit mal ruhiger arbeiten kann, aber die große Masse der Lötspitze weiter gut nutzt.
Grüße
mr-hyde
Versuchstier
> Polyvinylchlorid ist ebenfalls ein thermoplastischer Kunststoff. Also schmilzt es auch, wenn man die Themperatur im richtigen Rahmen hält. Verbrennen kann man alles.

PVC schmilzt nicht. Es wird weich und klebrig, bei weiterer Erhitzung zersetzt es sich.

PE ist genau umgekehrt, es schmilzt sauber und kann (je nach genauer Sorte) sogar verdampfen, nach dem Abkühlen ist es wieder der gleiche Kunststoff wie zuvor.

> Ich habe am Ende meinen stärksten Lötkolben (300 Watt) genommen, und die Kuperspitze mit einen Radius von 5 mm verundet, damit sie übers Backpapier gleiten kann ohne sich zu verharken.

Ok, das erklärt warum es bei mir schief ging (mein alter Elektroniklötkolben mit recht feiner Spitze, mangels Temperaturregelung immer ein wenig zu heiß).

Ich schaue mal ob ich auf dem Flohmarkt so einen großen Klotz finde.

> Wo ich gerade noch mal so drüber nachdenke, könnte es auch sinnvoll seine mit einer Phasenanschnittssteuerung (Dimmer) die Leistung ein wenig zu reduzierieren, damit mal ruhiger arbeiten kann, aber die große Masse der Lötspitze weiter gut nutzt.

Sollte funktionieren, bei so einem großen Lötkolben ließe sich sogar ohne große Probleme ein Fühler für eine echte Regelung ergänzen.


Btw: Der Luftmatratzenteil ist mittlerweile fertig und ich habe schon mal probegelegen. Die Klebenähte halten die Belastung aus aber ich muß noch viele Flicken draufsetzen bis es luftdicht wird.


Mit freundlichen Grüßen vom Versuchstier
mr-hyde
Ich hab gerade mal ein bissl rumgegooglet, und habe mich dann auch an meine Erlebnisse mit meiner Teichfolie erinnert (ebenfalls PVC)
Der übliche Heimwerkerweg ist das kalt verschweißen mit Quellschweißmittel da PVC ja nicht lösungsmittelresistent ist.
Damit wir das Material angelöst und verschweißt.
Jede andere Lösung scheint dahinter zurückzustehen.