Skadi
Hallo zusammen.
Hoffe das ist das richtige Unterforum...
Ich wollte Lammlederhälften, die ich günstig erstanden habe, färben.
Normalerweise färbe ich Leder mit Wachs (wenn es zugleich hart werden soll) oder mit "effax - Leder Balsam". Wird immer schön braun.
Nun ist es so, dass die Lammhäften nix aufnehmen. Alles perlt ab.
Deshalb habe ich ein chem. Färbemittel probiert, Oil Dye (gibt's bei Lederkram). Unglücklicherweise mit dem selben Resultat.
Jetzt meine Frage. Womit kann das imprägniert sein und gibts noch 'ne andere Möglichkeit es dunkel zu bekommen?
LG
holzwurm
Hmmm...irgenwo hab ich mal was von Haartönung gelesen. Ob's klappt, hab ich noch nicht probiert.
Skadi
Naja es sollte Regentauglich sein. Wäscht sich die Tönung nicht mit der Zeit raus?
tattoomaniac
also als ich das letzte mal leder gefärbt hab, das muß ca. 10 jahre her sein, da gab es noch kleine flaschen ziemlich chemische und stark färbendes, aber dünnflüssiges mittelchen. wichtig war damals, das leder mit aceton vorzubearbeite, um die fette im leder loszuwerden, denn die haben die färbung natürlich verhindert, was in allen bereichen so ist, die mit farbe oder lack zu tun haben, ob auto, wand oder sonstwas. ganz wichtig war daher ein exzessives einfetten, nach dem die farbe drin und trocken war, also wenn das zeug in den fasern verankert ist.
daher würd ich mal versuchen, ein wirklich heftig entfettendes mittel, wenn nicht gar aceton (reinigungsbenzin geht nicht, da ist schon wieder öl am start) an einer klitzekleinen stelle zur anwendung zu bringen und anschließend einen färbversuch starten. egal, ob es was wird oder nicht, im anschluß wieder viel fett drauf und zwar am besten in mehreren schichten mit dazwischen einziehen lassen etc.
mit rückfetten hab ich früher sogar schaffelle bei 30 grad in der waschmaschine gewaschen und die leben immer noch.
Hagazussa
Bestimmte chemische Gerbungsarten sorgen eben dafür, dass das Leder Wasser und Chemikalien abweist. Sonst hätte man wenig Freude an Lederkleidung und Schuhen.
Härten und dauerhaft einfärben kannst du nur vegetabil gegerbte Ledersorten. Durch chemische Gerbungen wird die Hautstruktur so weit zerstört, dass es nicht mehr möglich ist.
LammHÄLFTEN hast du gekauft? Das wundert mich doch sehr, denn Häute von Kanin, Schaf, Ziege werden üblicherweise im Ganzen verkauft. Nur bei sehr großen Tieren gibt es die Möglichkeit, eine halbe Haut als Mindestmenge zu erwerben.
Lammnappa eignet sich für dünne Bekleidung, doch nicht für Flechtarbeiten, schon gar nicht für Peitschen, eher nicht für Taschnerarbeiten.
Generell ist Leder vom Schaf minderwertig und verschleißt bald. (Weil das domestizierte Schaf ein sehr dichtes Haarkleid hat. Viele Haare -> dünne Haut. Wenig Haare-> dicke Haut. Viel Fett und Talgdrüsen-> brüchiges Leder, z.B Schaf und Kamel. Wenig Fett, wenig Drüsen-> festes Leder, z.B. Antilope und Roo.)
Wenn du Kleidung herstellen oder etwas polstern willst, nimm Leder vom Ziegenbock, Kalb oder Rind. Wenn du flechten willst, eignet sich Roo, Antilopenleder, Kalb, Rind, Pronghorn vegetabil gegerbt, Hirscharten vegetabil gegerbt.
Von Sonderposten, wo zig Häute billig abgegeben werden, rate ich dir ab. Leder ist besser, wenn es teuer ist. Einzelhäute bekommt man manchmal günstig.
Empfehlenswerte Literatur: Die "Fachkunde für lederverarbeitende Berufe".
Skadi
Danke für die vielen Infos
Über die Qualität und Struktur von dünnem Leder bin ich mir durchaus bewusst.
Warum ich das Lamm in Hälften bekommen habe ist mir auch schleierhaft. Allerdings hab ich es vom Händler des Vertrauens erhalten.
Anhand von Lederpedia.de konnte ich mir zusammenreimen, dass es sich wahrscheinlich um Chromgerbung handelt.
Somit hab ich versucht, wie mir geraten wurde, das Leder mit Aceton vorzubehandeln. Ich hatte nur leider kein Aceton, lediglich Bremsenreiniger.
Zunächst sieht man keinen Unterschied, aber wenn man nach der Bremsenreinigerbehandlung färbt, erkennt man, wie die Farbe langsam aufgenommen wird. Allerdings nur sehr schwach. Es wird ein hellbrauner, bis leicht rötlicher Farbton.
Dafür dass das Leder aber im Außenbereich verwendet wird, muss die Farbe nicht unbedingt konform mit dem Rest sein. Wird sowieso irgendwann schmutzig...
Danke trotzdem für die Ratschläge. (Irgendwann werd ich das mit der Tönung mal probieren.)
tattoomaniac
zum thema tönung würd ich allerdings sagen, daß vermutlich eine richtige haarfärbung die erfolgversprechendere version sein dürfte, da tönung ja dafür bekannt ist, daß sie nicht erst wieder verschwindet, wenn die haare rausgewachsen sind- färbung hingegen nur mit brachialen bleichmitteln wie zb. borne blonde auch nur zum teil reversibel ist, d.h. richtig blond wurden die haare zu meinen punkerzeiten nie, wenn ich von polycolor blauschwarz versucht hab, auf billy-idol-weißblond umzufärben. da kamen da eher absurde rötliche töne und einmal sogar ein leichter grünstich raus.
zu larp zeiten hab ich auch mehrfach mit besagtem blauschwarz ( da waren finanzielle erwägungen im spiel- bei der saugfähigkeit von wildleder wäre das unterfangen mit besagtem chemisch-obskurem mittelchen immens ins geld gegangen) wildleder ziemlich haltbar gefärbt, aber wildleder ist ja auch ne ziemlich offenporige und alles andere als wasserabweisende sache.
Hagazussa
Fast alle käuflichen Leder sind chromgegerbt.
Pflanzlich gegerbt sind z.B. Blankleder (hart), Fahlleder (relativ weich), manche orthopädischen und Buchbinder-Leder. Fürs Härten/Färben würde ich ein Fahlleder versuchen, weil das billig ist.
Aceton bekommst du in der Drogerie. Und miese Nagellack-Entferner bestehen auch überwiegend aus Aceton. Es ist nicht teuer. Nur - ziemlich viele Farbstoffe lassen sich durch Aceton lösen.
Und wenn du die Häute im Freien einsetzen willst, musst du wissen, wie sich der gewählte Farbstoff an die Haut bindet. Manche werden bei Regen einfach wieder ausgeschwemmt.
Was soll aus den Lammhäuten eigentlich werden?
Skadi
Ist ein Nebenprojekt von mir. Ich verwende das Leder am Rand so ähnlich wie eine Umsäumung, bei einer Kampftauglichen Rüstung für nen Kollegen.
Der Typ vom dem ich das Leder habe, gerbt, wie ich auch, eigentlich nur pflanzlich. Deswegen wundert mich ja auch das Verhalten des Leders.
Aber hab's ja nun halbwegs in den Griff bekommen.
Nächstes mal nehme ich aus eigener Herstellung. Da weiß man was man hat.
LG
Hagazussa
Ist es vielleicht übergerbt? Wenn der Hautaufschluss zu lange gemacht wird, ist es nachher ziemlich kaputt und nicht mehr wirklich zu brauchen.
Ich kauf mir meine Leder, der Profi kanns einfach besser, weil er die nötigen Maschinen hat. Aber ich hab ein wenig Tierpräparation gelernt.
Skadi
Hab mal die Fahlläderhälse bei Lederkram gekauft. Aber die gibts irgendwie nichtmehr. Zumindest als ich das letzte mal nachgesehen hatte.
Naja und ich wollte sowieso gerben als Hobby.
Guter Lieferant ist auch jlx in Berlin.
LG