Datenbankeintrag: Kunststein

holzwurm
In der Wand hatte ich einen Durchgang ohne Holzzarge. Darum habe ich dann Kunststeine „gemauert“ und die Wand mit einem Strukturputz gestaltet.
Die Wand ist gespachtelt und mit Makulatur beklebt, was eine guten Untergrund ergibt. Außerdem lässt sich dann später alles wieder ohne große Mühe entfernen.

Die Kunststeine habe ich mit einem Cutter aus 20mm Dämmplatten geschnitten. Einfaches Styropor funktioniert und ist am Günstigsten. Leider auch sehr Weich, was die Haltbarkeit extrem beeinflusst.
Im Normalfall bekommt man in Baumarkt und Baufachhandel unter Dämmung auch 20mm starke Platten aus Styrodur. Das Material bekommt man als Fixmaße so um 625x1250mm . Die sind meist grünlich oder gelblich eingefärbt und viel feiner geschäumt als die Kugeln des Styropur. Ist aber das selbe Material- Polisytrol, also nicht Lösungsmittelfest.
Der Zuschnitte erfolgt hier mit einem großen Cutter und einer geraden Leiste. Steine von 80x 220mm und 80x150mm habe ich zugeschnitten und bin dann einzeln mit einer Flamme (Lötlampe) über die Außenfläche und die vier Kanten gegangen. Zügig sollte man dabei schon arbeiten und das Ganze auf jeden Fall im Freien, besser noch mit zusätzlichem Atemschutz machen.

Auf besondere Vorsicht im Umgang mit Feuer und brennbarem Material weise ich ausdrücklich nochmal hin!!!

Die gebrannten "Steine" haben durch das Verschmelzen eine recht feste Oberfläche bekommen.
Das Aufkleben ging hier mit Acrylversiegelung auf der Untertapete problemlos. Silikon zefrisst das Material meist. Die Steine lassen sich eine ganze Weile noch schieben und korrigieren. Dann gute trocknen lassen.

Dort hatte ich die Möglichkeit mit einer Becherpistole zu arbeiten und so war der erste Farbauftrag kein Problem. Pinsel tut es aber genau so gut.
Hier habe ich Ockerfarbe (Vollton-/Abtönfarbe) verwendet.

Als zweite Schicht habe ich die Tiefen Stellen herausarbeiten wollen. Dazu habe ich dann braune Lasur (siehe weiter unten), aus Tapetenkleister, Weißleim und brauner Farbe angemischt. Diesmal sehr stark verdünnt und mit Pinsel und Schwamm aufgetragen. Die Lasur sollen in den Vertiefungen stehenbleiben und die Flächen eigentlich fast im reinen Ockerton bleiben. Wieder gut trocknen lassen.

Inzwischen habe ich dann begonnen die Wand zu gestalten. Feinspachtel, wie sie zum Glätten der Wände vor'm Tapezieren verwendet wird (es geht auch Rotband Innenputz). Eine Handvoll Sand habe ich beigemischt, da ich ja eine grobe Struktur wollte.
Solche Spachtelmassen lässt man Sumpfen, d.h, man streut nach und nach das weiße Pulver ins Wasser (circa 20mm Wasser im Eimer) bis alles aufgesaugt ist und bekommt so eine Klumpenfreie Masse. Hier habe ich mir das Wasser gleich mit schwarzer Abtöfarbe eingefärbt und die Spachtelmasse trocknet so in einem lichten Grauton auf. Der Auftrag erfolgt mit einem Spachtel und wird bewusst mit Wellen und Streifen belassen und nicht abgezogen. Wenn größere Flächen auf diese Art verputzt werden sollen, dann am Besten das Wasser zuerst einfärben und die Spachtelmasse immer gleich ansetzen. So erhält man einen recht gleichmäßigen Farbton der einzelnen Massen. In Fachkreisen sagt man, wenn der Spachtelmasse Tapetenkleister oder Spüli zugesetzt wird, dann bindet das Material nicht so schnell ab und man hat länger Zeit zum Arbeiten. Und auf jeden Fall den Boden wirklich gut abdecken, das Zeug klebt richtig gut auf Estrich, Laminat und Fliesen.

Nun kann die Wand über Nacht trocknen und der Putz abbinden.

Die verputzte Fläche habe ich mit fast schwarzer Lasur bearbeitet.

Lasur macht man in diesem Fall leicht selber. Grundlage ist eine gute Portion Tapetenkleister. Dazu einen kräftigen Schuß Weißleim (Ponal, Bastelleim, PVAC) als Bindemittel und einen bis zwei Esslöffel (so als Menge etwa) Farbe (hier eben schwarze Volltonfarbe/Abtönfarbe). Das Gemisch gut durchrühren.
Mit dem Kleister zusammen hat man genügend Zeit geschaffen, die sonst schnell antrocknende Farbe zu verarbeiten.
Mit einem Pinsel grob ein paar Kleckse aufgetragen und dann mit einem feuchten Schwamm in kreisenden Bewegungen verwischt, den Schwamm dabei immer wieder im Wassereimer auswaschen und so die Lasur gleichmäßig auf der Fläche verteilt. Durch Auswaschen und weiter verreiben nimmt man Lasur weg, oder es kann mehr Farbe aufgebracht werden, bis es gleichmäßig aussieht.
Auch hier wieder gut ein paar Stunden trocknen lassen.

Dann habe ich die Steine und die Wandfläche mit weißer Farbe "trocken gebürstet". Dazu hab ich etwas weiße Farbe auf einen Eimerdeckel gegeben und an den Spitzen eines Breiten Pinsels wenig Farbe aufgenommen. Den Pinsel habe ich dann auf einer Zeitung (oder andere Fläche) noch trockener abgestrichen, dass nur noch ein leichter Hauch Farbe an Kanten, Strukturen und Pusten aufgetragen wird. So kommt die Struktur der Wand und der Stein richtig schön zur Geltung. Dabei ist weniger oft mehr!!! Immer mal von der Leiter steigen und das Ganze aus ein paar Schritten Abstand betrachten.

Ist ein schöner Blickfang geworden, wie ich finde.

Zum Eintrag in der Datenbank
anthropozentrik
Wirklich sehr gelungen, Kompliment.

Was mir noch so einfällt:

Styrodur lässt sich am allerbesten mit Kreissäge oder Bandsäge bearbeiten, allerdings nur unter der Vorraussetzung, man hat eine leistungsstarke Absaugung, sonst klebt der statisch aufgeladene Kram überall.

Was ich von einigen Tabletop-Spielern noch so im Kopf habe:
Styropor oder Styrodur nehmen, mit nem Pinsel hauchdünn Nitroverdünnung drüberpinseln, damit sich die Oberfläche kontrollliert auflöst, das gibt eine rauhe, Naturstein-ähnliche Oberfläche. Das ganze kann man dann mit einer Mischung aus Dispersionsfarbe und Quarzsand streichen und anschließend ebenfalls "trocken gebürstet" werden.

Grüße, anthro
holzwurm
Danke für die Blumen.

...und klar, das geht auch prima mit der Verdünnung, besser noch mit Aceton.

Quarzsandfarbe ist mir fast schon zu grob von der Oberfläche dafür. Ich habe es mal was als Deko für's LARP gemacht. Da habe ich dann dünn angemachten Flexkleber/Fliesenkleber verwendet. Das Zeug klebt auf dem Styropur wie der Teufel und gibt von sich aus schon eine steinähnlich Oberfläche ab. Es ist nur nicht so fest von Untergrund, daher mag ich eigentlich heute lieber das Styrodur und die gerannte Oberfläche. Ich finde, die ist bissel haltbarer.
holzwurm
Hab das Bild von dem damaligen Bauteil noch eben eingescannt. Daher die doch eher schlechte Qualität des Bildes.